Diego Jaggi - Konzeptfahrzeuge und Prototypenentwicklung


Diego Jaggi ist Jahrgang 1962 und machte seine berufliche Ausbildung als Physiklaborant an der ETH Zürich am Institut für Mittelenergie. Dabei wurde er konfrontiert mit der Anreicherung der Weltmeere durch CO2 und mit der Erderwärmung. Das rüttelte ihn auf, etwas dagegen zu tun. Er bildete sich autodidaktisch weiter in Automobiltechnik. 

 Im Jahre 1993 gründete Diego Jaggi die ESORO AG, die als erfolgreiche Auftragsentwicklerin tätig ist und als umfassende Dienstleistung aus einer Hand Innovationen, Engineering, Prototyping und Serienvorbereitung anbietet. Die Kernkompetenzen von ESORO  liegen in den Bereichen faserverstärkter Kunststoff, Konzeptfahrzeuge, Produktentwicklung und Systemintegration. 


Konzeptfahrzeuge

Das Aussergewöhnliche ist bei ESORO alltäglich. Die Firma designt, entwickelt und realisiert qualitativ hochstehende Konzeptfahrzeuge von der ersten Idee bis zum "automobilsalontauglichen" Fahrzeug. Die Prototypen sind voll funktionsfähig und zugelassenen, damit das Konzept auch "erfahren" werden kann.

Dabei kann sich ESORO auf modernste Entwicklungstools, eine exzellente Prototypenwerkstatt, Erfahrungen aus über zwanzig Fahrzeugprojekten und auf ein erlesenes Netzwerk von Zulieferern verlassen. 


ESORO E2 - Der Weltmeister, 1988

Der E2 war das erste Elektrofahrzeug von ESORO mit einem Verbrauch von 5.5 kWh/100 km noch immer der weltweit effizienteste Zweisitzer. Mit nur 4.5 m2 stationärer Solarzellenfläche kann sein Energiebedarf für 10'000 km/Jahr vollständig abgedeckt werden. Mit dem Fahrzeug wurde an der Tour de Sol Weltmeistertitel errungen in den Jahren 1988 - 1991. Viele weitere Erfolge und Auszeichnungen folgten. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert (cw) von 0.165 verfügt das Fahrzeug über den weltweit niedrigsten Luftwiderstand für vergleichbare Fahrzeuge.


Projekte mit Rinspeed

ESORO hat mit der Firma Rinspeed zusammen bereits 16 Projekte realisiert. Rinspeed ist bekannt für futuristische Auto-Prototypen mit denen die automobile Zukunft experimentell vorweggenommen wird. Dazu gehört das elektrische Fahren, das autonome Fahren und vieles andere mehr, was die Beziehung zwischen Mensch und Maschine neu definieren wird. Das hat grosse Auswirkungen auch auf den Innenraum des Fahrzeugs , der zukünftig nicht nur zum Lenken sondern auch als Ruheraum, Arbeitsraum oder Besprechungsraum dienen kann, wenn der Autopilot eingeschaltet ist. Diese neuen Funktionen führen im Detail zu völlig neuen Sitzen, die sowohl eine Relax-Funktion wie auch flexibel eine Arbeitsposition einnehmen können. 


sQuba  Die dritte Dimension, 2008

Der sQuba - ein reinrassiger Elektro-Sportwagen - kann bei Bedarf auch schwimmen und bis in eine Tiefe von 10 Metern abtauchen. Das gesamte Antriebssystem arbeitet emissionsfrei. 


Dock & Go

Nimm drei statt zwei, aber nur wenn du's brauchst! Die dritte Achse ist der Dreh und Angelpunkt des modularen Hybridsystems "Dock & Go von Rinspeed. Die einachsigen "Packs" erfüllen je nach täglichem Bedarf unterschiedliche Aufgaben bis hin zu Reichweiten-Problematik von Elektrofahrzeugen. 


Alternative Antriebe - Wasserstoff

ESORO arbeitet auch an der Entwicklung von alternativen Antrieben mit. DasFahrzeug HyCar wurde 2002 von ESORO konzipiert und entwickelt und mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und einer Reichweite von 360 km ist das Fahzeug alltagstauglich in jeder Beziehung. An der Wasserstoff-Tankstelle wird der HyCar mit 152 Liter gasförmigem Wasserstoff mit 200 bar geladen. 


Erster Brennstoffzellen-Lastwagen

Esoro hat nach mehreren Tausend Testkilometern die Zulassung für einen Brennstoffzellen-Lkw erhalten, der für Coop entwickelt wurde.

Das Fahrzeug kommt mit einer Tankfüllung Wasserstoff bis zu 400 km weit. Das Betanken dauert rund neun Minuten. Der Wasserstoff wird mittels Elektrolyse von der Firma H2 Energy am Wasserkraftwerk der IBAarau hergestellt.

Als erster „Brennstoffzellen-Motorwagen“ in der Schweiz ist der Truck mit einem Gewicht von 19 statt 18 Tonnen zugelassen. Grund hierfür ist eine neue Regelung, nach der schwere abgasfreie Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben bis zu einer Tonne schwerer als konventionelle sein dürfen, um das höhere Gewicht des umweltfreundlichen Antriebs auszugleichen. Der Anhänger verfügt noch einmal über ein Maximalgewicht von 16 Tonnen. Somit kommt der BZ-Lkw auf ein zugelassenes Maximalgewicht von 35 Tonnen.


SuperFour mit Hybridantrieb und Allradtechnik

Der SuperFour ist der erste Outdoor-Rollstuhl, mit dem man unbeschwert ins Gelände fahren kann. Dank Vierradantrieb mit Hybridtechnologie, extremer Steigfähigkeit, Allradlenkung, Navigationssystem, Einzelradaufhängung, automatische Sitzneigung und vielem mehr erhöht sich die Lebensqualität von Rollstuhlfahrern massiv. Sie können vergleichbare Fahrten machen wie Mountainbiker, die unwegsame Natur steht ihnen offen, statt nur gut geteerte Trottoirs. Der SuperFour wird bei Ottobock Mobility Solutions (Hauptsitz Deutschland) in Serie produziert und in der Schweiz durch Otto Bock Suisse AG, Luzern vermarktet.


Interview mit Diego Jaggi

1.    Was war der der Auslöser, dass Sie sich mit Elektromobilen befassten? Und wann war das?

Durch meine Arbeit bei der ETH wurde ich 1985 für die Erderwärmung sensibilisert. Ich fragte mich, was tun? Ich habe damals einen Töff gekauft, den ich selber revidiert habe. Der brauchte aber 7 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer für 1 Person, was mich erschreckte. So wurde ich animiert, mich an der  Tour de Sol  zu engagieren. Ich gründete das Solarteam Höngg. 1987 starteten wir mit "Gaston" einem ähnlichen Fahrzeug wie der Esoro E 2, schied aber wegen eines technischen Defekts aus.

 

2.    Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Prototypen? Was war das für ein Gefährt

Mir war klar dass das Fahrzeug sehr effizient sein musste. Wir haben 1986 von Grund auf selber gebaut. eigene Elektronik, eigenes Design. Wir hatten ein 1 Jahr Zeit.

 

3.    Wie haben Sie das Fahrzeug in der Folge eingesetzt

Mit dem E 2 bin ich über 10 Jahre gefahren. Das Fahrzeug existiert noch, ich habe aber nicht gemessen, wie viele Kilometer ich gefahren bin.

 

4.    Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht Ihr Projekt? Was hat es der damaligen Entwicklung der Elektromobilität gebracht?

Wir konnten zeigen, wie ein Gesamtkonzept funktioniert mit Aerodynamik, Leichtbau, geringer Rollwiderstand, hohe Effizienz und das ganze in schönem Design.

 

5.    Wie beurteilen sie die heute marktgängigen Elektromobile? Genügen Sie den Anforderungen?

 Ich denke, die Entwicklung ist heute ausgereift, die Fahrzeuge sind gut zu gebrauchen. Die erneuerbaren Energien werden sich durchsetzen, auch mit Brennstoffzellen. Diese Technik ist allerdings eher für Lastwagen geeignet. Wenn mehrere Lastwagen mit hoher Ladeleistung aufgeladen werden sollten, kann es bis zur Netzinstabilität führen. Wasserstoff ist ein Speichermedium, das wir gut brauchen können.

 

6.    Was für ein Elektromobil fahren Sie heute? Welches Auto würden Sie gerne fahren, wenn der Preis, etc. keine Rolle spielte?

Ich fahre heute kein Elektromobil. Der Tesla S ist mir zu gross. Ich warte auf den Tesla 3, das ist mein nächstes Auto.

 

7.    Wo sehen Sie die Zukunft des Elektromobils? Chancen und Risiken?

Es wird bessere Batterien geben. Es ist allerdings nicht Software und es ist nicht Software. Es wird inkrementelle Verbesserungen geben. Wir haben schon früher mit kleinen Lithium-Batterien experimentiert, bis zum heutigen Stand ist es allerdings sehr lange gegangen. Es reicht, wenn man alle 3 Jahre 20% Verbesserung macht. wird in mehreren Schritten, allenfalls in Sprünge erfolgen. Wir haben mal eine Schwefel-Natrium Batterie bestellt, die schon beim Transport kaputt gegangen ist.  

 

8.    Was erhoffen Sie sich von der Politik zu diesem Thema?

Die Politik muss eine langfristige Vorgabe machen, wohin die Reise geht. So bin ich zB. für eine CO2-Steuer.Nur Ziele vorgeben, nicht Massnahmen. Ich bin nicht für Subventionen für Fahrzeuge oder Ladestationen. Die Business-Cases müssen  sich von allein ergeben.

 

9.    Was wünschen Sie sich vom ECS?

 Im Moment ist es schwierig zu sagen, wohin die Reise geht. Man könnte sagen: "The Job is done", man müsste wohl politisch tätig werden.

 Ich war damals erstaunt, wie stark sich der TCS engagiert hat. Man müsste da wohl zusammenarbeiten.