Josef Brusa - Weltspitze in Elektromobil-Komponenten


Josef BrusaJahrgang 1957, schloss 1981 seine Studien als Elektronik-Ingenieur an der Hochschule für Technik in Buchs /SG ab. 1985 gründete er seine erste Firma , die Komponenten für Solar- und Elektrofahrzeuge herstellte. 30 Jahre später ist die BRUSA Elektronik AG ein Unternehmen mit weltweitem Renommee und engen Lieferbeziehungen zu Automobilkonzernen in Europa, Amerika und Asien. Inzwischen entwickeln über 140 Mitarbeiter Elektroantriebe, leistungselektronische Komponenten für Elektromobile wie Ladegeräte, DC/DC-Wandler, Umrichter, Batteriemanagementsysteme, induktive Ladestationen und vieles andere. Die Firma ist mehr noch als Produktionsstätte ein Thinktank, der Entwicklungen vorantreibt und Patente anmeldet. Aktuelles Beispiel ist eine induktive Ladestation, die das kontaktlose Laden von Elektroautos ohne Stecker ermöglichen soll.

Einer seiner Leitsätze lautet:

Unsere Gesellschaft ist zu über 80 Prozent von nicht erneuerbaren Ressourcen abhängig, welche zudem das Klima gefährden. Dabei schneidet die Mobilität besonders schlecht ab, denn sie verbraucht ein Drittel der Ressourcen und dies mit einem extrem schlechten Wirkungsgrad von unter 20 Prozent. Hierin liegt aber auch die Lösung. Elektrische Antriebe sind um Faktoren effizienter und ermöglichen den Einsatz von erneuerbarer und einheimischer Energie für unsere Mobilität. Intelligente Umsetzungen sparen zudem viel wertvolles Material wie seltene Erden. Kupfer und Aluminium lassen sich wiederverwerten. Nur solche Lösungen können in Zukunft in grossen Stückzahlen realisiert werden, ohne neue Ressourcenengpässe zu erzeugen.


Josef Brusa hat sich bereits während seines Studiums Gedanken über seine zukünftige Tätigkeit gemacht. Die wichtigste Motivation: es sollte nicht nur interessant, sondern auch sinnvoll sein. Kurz nach der ersten grossen Ölkrise war es naheliegend, diese Sinnhaftigkeit im Energiebereich zu suchen. Josef Brusa kam mit der neuen Solarfahrzeugszene in Kontakt. Für diese Leute hat er begonnen, elektronische Schaltungen zu entwickeln.

Die heutige Elektrofahrzeugszene hat ihren Ursprung in der Tour de Sol, die 1985 erstmals als Werbetour für die thermische Solarenergienutzung konzipiert wurde. Daraus ging auch BRUSA Elektronik hervor. Ziel von BRUSA war es, Komponenten für Solar- und Elektrofahrzeuge und Solarenergie-Systeme zu entwickeln. Heute konzentriert sich die BRUSA Elektronik AG ausschliesslich auf Elektrofahrzeuge.

 

Im Bild das für die erste Tour de Sol konstruierte Solarfahrrad "Sofa"


Axel Krause gewinnt die Tour de Sol

 

Axel Krause, Dipl. Phys. ETHZ, entwickelte einen speziellen Synchronantrieb und gewinnt 1987 die Tour de Sol hinauf nach Arosa. Dies ebnet den Weg für Drehstromantriebe in elektrisch betriebenen Fahrzeugen.

Axel Krause war ein bedeutender Mitentwickler von BRUSA-Produkten und war mehrere Jahre mit Fahrzeugen mit BRUSA-Komponenten an Wettbewerben engagiert. Er arbeitet auch heute noch für die BRUSA Elektronik AG


Einige Produkte aus dem Sortiment der BRUSA Elektronik AG

BRUSA DTSP 1                           BRUSA 60 KW DC/DC Wandler                BRUSA B HSM 1                    BRUSA Bordnetzwandler


Einige Beispiele aus der vielseitigen Produktpalette von Fahrzeugen, die mit BRUSA-Komponenten ausgerüstet sind und Furore machen


Eine der neuesten Entwicklungen der BRUSA ist das induktive Laden. Elektromobile müssen nicht mehr mit Kabel an Steckdosen angeschlossen werden. Bei stehenden Auto fliesst der Strom berührungslos über eine Bodenplatte in eine unter dem Auto befestigte Platte. Das Brusa-Patent ist bereits an wichtige Interessenten in Lizenz gegeben worden.

>>Induktives Laden


Interview mit Josef Brusa

 

Was war der der Auslöser, dass Sie sich mit Elektromobilen befassten? Und wann war das?

Eigentlicher Auslöser war natürlich wie für die meisten anderen Pioniere die 1985 erstmals durchgeführte Tour de Sol. Ich war damals 27 Jahre alt, hatte aber schon vorher Kontakt mit der Solarmobil-Szene und war bei der damaligen Gruppe dabei, die ein Solarfahrrad "SoFa" (Bild weiter oben) entwickelte. Ich begann in der Folge, für Solarmobile Komponenten zu entwickeln. Diese Aktivität konnte ich stetig ausbauen. Im Schnitt kam dann pro Jahr ein Angestellter dazu. Es gab Jahre, da haben wir wohl gegen 80% der Teilnehmer an der Tour de Sol mit Teilen ausgerüstet. In unserem Angebot waren Ladegeräte, Motoren, Umrichter, Maximum-Power-Tracker und Ampèrestunden-Zähler. Die Anforderungen waren klar: klein-leicht-effizient. Das teuerste damals waren die Solarzellen. Das ist heute anders geworden.

  

Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht Ihr Projekt? Was hat es der damaligen Entwicklung der Elektromobilität gebracht?

Der eingeschlagene Weg und die darauf fussenden Entscheide waren zweifellos richtig. Ich wollte auch nie an der Tour de Sol oder anderen Solarrennen selber teilnehmen, weil ich meine Kunden ja nicht gleichzeitig mit einem eignen Elektromobil konkurrieren durfte. Umgekehrt war die Zeit noch nicht reif für die industrielle Massenfertigung. Wir haben immer auf innovative Spitzenprodukte fokussiert. Wir gehören damit immer noch zur Spitze, die Konkurrenz ist uns allerdings auf den Fersen. Man darf nie nachlassen. Entscheidend ist natürlich die Systemkompetenz für meine Firma, wobei anzufügen bleibt, dass genügende und liquide Finanzierung die Basis für jede unternehmerische Tätigkeit ist. Daneben braucht es immer auch ein bisschen Glück. Rückblickend kann man sagen, haben wir immer ungefähr das richtige Mass an Wachstum getroffen, so dass wir auch Krisen bis heute immer überlebt haben. Als wir 2002 die BRUSA Elektronik AG gründeten, wurden auch die Mitarbeiter beteiligt.

 

Was für ein Elektromobil fahren Sie heute?

Ich selber fahre einen Tesla. Zwei weitere Tesla haben wir in der Firmenflotte. Drei weitere Tesla und etwa 12 andere Elektrofahrzeuge sind im Besitz von Mitarbeitern. Alle können in der Firma auch aufladen.

Eine der ersten Frage ist meist die nach der Reichweite. Mein Antwort: So weit ich will. Entscheidend ist nämlich das Gesamtkonzept, beim Tesla sind es die Schnellladestationen unterwegs. Ich fahre mit meinem Tesla regelmässig über 400km-Strecken zu Kunden mit einem einzigen recht kurzen Laden auf der Strecke. Zudem ist der Tesla zwar teuer in der Anschaffung, ab 30‘000 km pro Jahr über alles aber trotzdem billiger wie jeder ähnlich grosse Diesel.

 

Wie beurteilen Sie die heute marktgängigen Elektromobile? Genügen sie den Anforderungen?

Das Angebot ist heute gut und wird schnell noch besser. 1'000 Kilometer Reichweite braucht es nicht. Entscheidender ist ein Schnellladenetz, demnächst bis 300 kW. Es macht keinen Sinn, mit zu grossen und zu schweren Batterien herumzufahren.

 

Wo sehen Sie die Zukunft des Elektromobils? Chancen und Risiken?

Ich glaube, dass die aktuelle Entwicklung sich massiv beschleunigen wird. Die Verbrenner-Autos werden wegen der Umweltvorschriften zunehmend teurer, die Elektromobile aber durch Serienfertigung tendenziell billiger. Seit rund 10 Jahren verdoppeln sich jedes Jahr die weltweiten Verkäufe von E'mobilen. Bei diesem Verlauf würden wir schon 2022 nur noch E'mobile verkaufen. VW will bis 2025 1 Mio rein elektrische Fahrzeuge produzieren. 60% des Automarktes liegen heute in China und dort wird das Wachstum pro Jahr 80% betragen. Allein in China sind übrigens 2016 60'000 Elektrobusse in Betrieb genommen worden.

Auch die mit unseren Teilen ausgerüsteten Elektro-Lastwagen rentieren und fahren natürlich viel ruhiger, was z.B. bei der Kehrichtabfuhr sehr geschätzt wird. Ich glaube auch an den sog. >>"Popcorn-Effekt" gemäss >>Lars Thomsen, was sinngemäss bedeutet, dass Innovationen nicht linear verlaufen und es plötzlich quasi zu einer "Explosion" kommen kann. Interessant wird natürlich sein, wie sich das autonome Fahren entwickelt und was z.B. Firmen wie Uber in Zukunft noch anbieten. Vor 25 Jahren mussten wir quasi noch Geburtshilfe leisten. Heute brauchen wir keine Beweise mehr, dass Elektromobilität funktioniert. Jetzt geht es nur noch ums Umsetzen. Das E'Mobil muss günstiger werden, die Kosten müssen runter und das ist natürlich nur mit Massenproduktion und weiteren Innovationen möglich.

 

Was erhoffen Sie sich von der Politik zu diesem Thema?

Zunächst muss die Energiestrategie-Abstimmung in der Schweiz positiv ausgehen. Wir müssen in der Politik Gehör finden, was ich aber als Vorstandsmitglied von Swiss eMobility durchaus positiv erlebe.

 

Was wünschen Sie sich vom ECS?

Historisch waren die Konstrukteure im Elektromobilclub tonangebend. Heute haben die grossen Autokonzerne die Entwicklung übernommen. Sie verfügen über die Mittel, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Der ECS muss sich also neue Ziele setzen. Er kann dabei sein Image verbessern. Es geht heute noch darum, die Bevölkerung von den Vorteilen der Elektromobilität zu überzeugen. Ich halte deshalb Vorträge und werde immer mit recht einfachen Fragen konfrontiert, die man aber gut kontern kann. Es müsste auch gelingen, die Zweifler mal ans Steuer eines Elektrofahrzeuges zu bringen, was in der Regel einen positiven Effekt auslöst. Ich stelle aber immerhin fest, dass noch vor wenigen Jahren von 30 Zuhörern vielleicht zwei je E'mobil gefahren sind, heute ist das Verhältnis umgekehrt.

Das Potential mit E-Mobilität Energie zu sparen, wird noch massiv unterschätzt. Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz würde um 20% bis 25% zurückgehen, wenn wir alle elektrisch fahren würden. Und diese Energie könnten wir im Inland produzieren, auch noch in 1'000 Jahren.

 

Wie läuft bei Ihnen Innovation ab?

Innovative Ideen kommen nicht einfach aus heiterem Himmel. Normalerweise liegt dem ein Bedürfnis zu Grunde. In meinem Fall, um beim Anfang zu beginnen, eine von mir als wichtig erachtete gesellschaftliche Herausforderung. Also erfindet man das Elektroauto. Um das zu schaffen, muss man viele neue Komponenten erfinden (Motor, Ladegeräte, usw.), bis es dann funktioniert. So geht es immer weiter. Elektrofahrer bekommen vom Kabel schmutzige Hände: So kommt das Bedürfnis nach dem bedienungsfreien Laden und dies führt zum induktiven Laden. Das ist die Welt der Ingenieure. Diese knobeln pausenlos an Problemen. Sobald diese gelöst sind, braucht’s den Ingenieur nicht mehr und dieser wendet sich der nächsten Herausforderung zu.

Sinnvolle Innovationen kommen aber letztlich nur aus gesellschaftlichen Aufgabenstellungen.