Josef Jenni, geb. 1953, ist El. Ing. HTL und Gründer der Jenni Energietechnik AG, Oberburg.

Er ist international anerkannter Solarpionier und Initiant der  "Tour de Sol".

Heute ist er Spezialist für Solaranlagen, Solarspeicher und industrieller Partner für erneuerbare Energien. Er gründete 1976 die "Jenni-Sonnenenergie-Steuerungen" die 1978 in die Jenni Energietechnik AG überführt wurde. Josef Jenni und seine Firma sind Träger zahlreicher Auszeichnungen wie Europäischer Solarpeis, Schweizer Solarpreis, Gewinner des Watt d'Or und vielen weiteren Preisen, siehe: >>Auszeichnungen

Politisch wurde er 1973 schweizweit bekannt als Mit-Initiant der Volksabstimmung "Autofreie Sonntage". Für die EVP war er 6 Jahre lang Mitglied im Grossen Rat des Kantons Bern. Er schrieb mehrere Bücher zur Thematik der erneuerbaren Energien und ist bis heute gefragter Referent zu diesen Themen. 

2003 lancierte er "Oil of Emmental", eine Initiative für einheimische erneuerbare Energie.

 


Gesamtübersicht Firma Jenni Energietechnik AG, Solarpark Oberburg / Burgdorf

 

Die beiden ersten Betriebsgebäude (beige) im Hintergrund

 

Vordergrund links (weiss): Der neue Grossspeicherbau

 

Vordergrund rechts: Die drei vollständig solarbeheizten Achtfamilienhäuser

 

 

Josef Jenni ist einer der erfolgreichsten Solarpioniere Europas. Aus kleinsten Anfängen mit Solarsteuerungen ist es ihm in seiner 40-jährigen Tätigkeit zusammen mit einem treuen Mitarbeiterstab gelungen, das heute bedeutendste Schweizer Unternehmen für Sonnenwärmenutzung aufzubauen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeitende, davon sind 5 Auszubildende.

Einen besonderen Namen hat sich die Jenni Energietechnik AG mit der eigens entwickelten und zur Serienproduktion aufgebauten Speichertechnik mit integriertem Boiler gemacht. Für Aufsehen im In- und Ausland sorgte das erste Wohnhaus in Europa, welches zu 100% mit Sonnenenergie versorgt wurde, das Oberburger Sonnenhaus, sowie das erste 100% solar beheizte Mehrfamilienhaus.

Jenni Energietechnik AG baut Speicher nach Mass, welche bei Bedarf auch vor Ort geschweisst werden.

Wenn es darum geht, Häuser ganzjährig weitgehend solar zu beheizen, ist die Jenni Energietechnik die führende Firma in Europa. 

 

 

 Die Jenni Energietechnik hat eine breite Palette von Produkten im Programm wie:

·         Thermische Solaranlagen

·         Speicher

·         Armaturen

·         Holzheizungen

·         Kollektoren

·         Steuerungen

·         Photovoltaik

·         Wärmepumpen-Systeme

·         Sonderanfertigungen Metallbau 

Seit dem Bau des ersten 100% solarbeheizten Mehrfamilienhauses 2007 wurden von verschiedenen anderen Investoren ähnliche Projekte mit dem «Solarsystem Jenni» realisiert.

Als direktes Nachfolgeprojekt baute Jenni Liegenschaften AG zwei weitere 100% solarbeheizte Achtfamilienhäuser. Die Wohnungen wurden ab Herbst 2015 bezogen.

Dank den Erfahrungen des ersten Solarmehrfamilienhauses konnte bei dem Nachfolgeprojekt die Wirtschaftlichkeit der Bauten in den Vordergrund treten. Folgende Optimierungen wurden realisiert.

 

 

1. Mehrfamilienhaus

2.+ 3. Mehrfamilienhaus

Speichervolumen

205‘000 l

108‘000 l

Kollektorfläche

276 m²

160 m²

Änderungen Wohnungen Dachgeschoss

2.5 Zimmer Wohnungen
ohne Balkon

4.5 + 5.5 Zimmer Wohnungen mit Balkon

 


Interview mit Josef Jenni

 

Was war der der Auslöser, dass Sie sich mit Elektromobilen befassten? Und wann war das?

Bereits als Kind baute ich mit meinem Bruder zusammen elektrisch betriebene Seifenkistenfahrzeuge, mit einer Autobatterie, einem Anlasser oder einer als Motor eingesetzten Lichtmaschine.

Während der Studienzeit begann ich mich mit Umweltfragen zu befassen und wurde speziell durch den Bericht des „Club of Rome“ aufgerüttelt. Ich engagierte mich damals auch in Kaiseraugst gegen Atomkraftwerke.

Dabei wurde mir klar, dass man nicht nur dagegen sein kann, sondern Alternativen bieten muss. Meine Ideen waren zunächst Energiesparen und Heizen mit Solarenergie. Um diese zu realisieren, gründete ich die Firma Jenni Sonnenergie Steuerungen. Das war jedoch ein steiniger Weg. In der Unternehmung überlegten wir uns laufend, wie wir auf uns aufmerksam machen konnten, verteilten Werbematerial und bauten verschiedenste Demonstrationsmodelle.

Als mein Bruder das erste Solarmobil baute und wir damit herumfahren konnten, reifte in mir die Idee, Andere zu suchen, welche auch ein Solarmobil bauen würden und mit diesen vom Bodensee an den Genfersee zu fahren. So entstand die „Tour de Sol“ aus einer Not heraus, als allgemeine Werbefahrt für mehr Sonnenenergienutzung.

 

Wir wollten eigentlich keine Elektromobile bauen. Uns ging es um PR für erneuerbare Energien. 

 

Als wir dann konkret begannen, die „Tour de Sol“ zu organisieren, waren wir vom grossen Interesse der Medien überrascht. Wir hatten auch nie mit so vielen Teilnehmern gerechnet. Ich war damals OK-Präsident, meine Schwester und mein Bruder fuhren je mit einem Fahrzeug. Meine Schwester als einzige Fahrerin war ein absoluter Magnet für die Medien. An der zweiten „Tour de Sol“ hatte ihr Fahrzeug die Form eines pinkigen Farbstifts. Auch dies ein PR-Volltreffer. Für unsere Firma war der Anlass eine willkommene Gelegenheit, bekannter zu werden und Anfangsschwierigkeiten zu überwinden. In der Folge hatten wir genug zu tun und stützen uns auf eine breite Produktepalette, die bis heute unsere Stellung in der Schweiz und im Ausland festigt. Schade, dass nach neun Veranstaltungen die „Tour de Sol“ 1993 eingestellt wurde.

Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Prototypen? Was war das für ein Gefährt?

Unser erstes Fahrzeug baute mein Bruder Erwin allein. Eine Konstruktion aus Stahlrohren.

Für die weiteren Fahrzeuge, begann ich zu rechnen: Stabilität, Elektronik und andere Faktoren, die ein effizientes Fahrzeug ergeben würden. Wir bauten in der Folge vier weitere Fahrzeuge und mussten dafür natürlich auch die Finanzen organisieren.

Es handelte sich zuerst um Konstruktionen aus möglichst leichten Stahlrohren und später aus einer selbsttragenden Polyester-Karosserie der Firma Horlacher, die "Horlacher-Schale". Eines dieser Fahrzeuge wurde als Kleinmotorrad zugelassen. Wir nahmen mit unseren Fahrzeugen an mehreren Formel E-Rennen teil, meine Schwester und Mitarbeiter der Firma pilotierten die Mobile. Sogar Kundenbesuche machten wir mit dem Horlacher-Mobil. 

 

Wie beurteilen sie die heute marktgängigen Elektromobile? Genügen Sie den Anforderungen?
Meine Bilanz ist etwas durchzogen. Einerseits wurden im Bereich Batterietechnik und Photovoltaik grosse Fortschritte erzielt. Anderseits ist die Situation noch nicht optimal, weil sich das Bewusstsein der Gesellschaft für die Umwelt- und Klimasituation noch nicht so weit entwickelt hat, dass vernünftige Entscheidungen beim Autokauf gefällt werden. Ein Elektromobil, das mit erneuerbaren Energien betrieben wird, sollte ein Sparmobil sein d.h. leicht, wenig Rollwiderstand bieten und so gebaut werden, dass es möglichst energieeffizient gefahren werden kann. Damit genügt auch eine kleine, leichte Batterie. So halte ich eine Klimaanlage und weitere Annehmlichkeiten, welche alle Energiebedarf und Gewicht bedeuten, nicht für nötig.

 

Was für ein Elektromobil fahren Sie heute? Welches Auto würden Sie gerne fahren, wenn der Preis, etc. keine Rolle spielte?
Für persönliche Autos habe ich nie viel Geld ausgegeben. Meine ersten Autos habe ich als Occasionen für 20.-- und 40.-- Franken erstanden. Zusammengenommen habe ich für die Anschaffung aller meiner bisherigen Automobile erst 44'000 Franken ausgegeben. Eine „Tesla“-Limousine würde nicht zu mir passen. Ich habe aber grosse Anerkennung, dass Tesla die Szene so richtig "aufmischt" und auch beschleunigt.

 

Wo sehen Sie die Zukunft des Elektromobils? Chancen und Risiken?

In Zukunft müssen wir grösstenteils wegkommen von fossilbetriebenen Fahrzeugen und versuchen unser Leben mit weniger Verkehr zu gestalten. Der restliche Verkehr sollte durch effiziente elektrische Verkehrsmittel bewältigt werden. Im persönlichen Nahverkehrsbereich hat für mich das Fahrrad eine grosse Bedeutung.

 

Was erhoffen Sie sich von der Politik zu diesem Thema?

Jedenfalls nicht zu viele Auflagen machen. Das ist eine grundsätzliche Feststellung, die für alle unternehmerische Tätigkeit in unserem Land gilt. Die Reglementierungswut nimmt den Unternehmen jegliche Freude an der Arbeit und der daraus folgende Mehraufwand frisst den Nutzen von Subventionen auf, ohne einen Beitrag für bessere Anlagen zu leisten. Die Problematik des Euro ist gegen unsere "Regelungswut" geradezu ein Klacks.

Das liebste wäre mir eine allgemeine Ökologische Steuerreform. Dies wäre das effizienteste und schmerzloseste Mittel, um viel zu erreichen. Diese dürfte allerdings erst spruchreif werden, wenn wir noch viel tiefer im Sumpf stecken.

 

Was wünschen Sie sich vom ECS?

Es ist wichtig, zu den Grenzen der Elektromobilität zu stehen. Das heisst, elektrisch fahren, wenn genügend Strom aus Photovoltaik und Wind vorhanden ist. Der ECS kann dahin wirken und sich dafür einzusetzen, dass ein möglichst ganzjähriges Angebot an erneuerbarer Energie und möglichst umweltfreundlich erzeugtem Strom vorhanden ist. Prioritär erzeugt durch Sonne und Wind. Ein weitere Möglichkeit sind im Winter gezielt eingesetzte Wärmekraftkopplungsanlagen.

Der Club soll weiterhin die effiziente Elektromobilität propagieren und fördern.

Ich erlaube mir zum Schluss noch eine generelle Bemerkung:

Man muss aus jeder Situation das Beste machen und darf nie aufgeben. Dabei ist es auch ein Fortschritt, wenn eine weniger umweltbelastende Lösung eine schlimmere ersetzt. Dies ist allemal besser, als nichts zu tun.


Josef Jenni hat mehrere Fachbücher geschrieben und ist ein gefragter Vortragsredner. Seine Schriften wie auch alle Angaben zu seiner Firma findet man unter >>jenni.ch. Seine private Webseite ist zu erreichen unter >>josef-jenni.ch

Einige Kernaussagen aus seinem wichtigen Buch "Erreichen wir die Energiewende konkret"

 

"Für mich ist der wichtigste Grund, dass wir mit unserem Einsatz von nicht erneuerbaren Energien und dem allgemeinen Raubbau an Rohstoffen und anderen Ressourcen unsere Lebensgrundlage sukzessiv zerstören. Für kurzfristigen Nutzen, oft nichtige Freuden, für unsere Gier opfern wir die Zukunft unserer Kinder."

 

"Stichwort Kernkraft: Einige wenige Jahrzehnte liefert sie uns Strom und nachher haben wir ein für Jahrtausende nicht lösbares Abfallproblem."