Martin Kyburz - Innovationen mit Markterfolg


 

Martin Kyburz, Jahrgang 1965, ist Maschinenmechaniker und Elektroingenieur. Nach vier Jahren als Projektleiter bei der Firma Rieter gründete er 1991 seine eigene Firma für Elektrofahrzeuge. In den ersten Jahren entwickelte er das erste KYBURZ Seniorenfahrzeug CLASSIC, welches am Markt auch sofort Anklang fand. Mit der Weiterentwicklung seines Fahrzeugs zu einem Transportfahrzeug konnte er die ersten Postbetriebe als Kunden gewinnen und ein Netz von autorisierten Servicepartnern aufbauen, um die Fahrzeuge optimal zu warten und zu reparieren – sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Inzwischen beschäftigt Martin Kyburz ca. 75 motivierte Mitarbeiter und entwickelt gemeinsam mit ihnen neue elektrische Fahrzeuge sowohl für die gewerbliche Nutzung als auch für den puren Fahrspass. Wichtig sind und bleiben für ihn die Freude am Entwickeln, aber auch der Fokus auf Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit.

 


Die >>KYBURZ Switzerland AG wurde 1991 von Martin Kyburz gegründet und befindet sich in Freienstein bei Zürich. Die Firma entwickelt und produziert qualitativ hochstehende Elektrofahrzeuge für Zustell- und Industriebetriebe sowie für Privatpersonen. Weltweit sind über 11’000 KYBURZ-Fahrzeuge im Einsatz; das bekannteste Modell, der KYBURZ DXP, prägt als Zustellfahrzeug der Post mittlerweile das Schweizer Strassenbild. Die Gewährleistung von Service und Unterhalt ihrer Produkte hat in der Firma höchste Priorität und stellt gleichzeitig einen wichtigen Geschäftszweig dar. Freude am Entwickeln, Nachhaltigkeit und Klimafreundlichkeit im Fokus: Die KYBURZ Switzerland AG freut sich auf die Zukunft und kann dabei auf solides Handwerk und langjährige Erfahrung bauen. 


Interview mit Martin Kyburz

 

Was war der der Auslöser, dass Sie sich mit Elektromobilen befassten? Und wann war das?

Es muss im Jahre 1985 gewesen sein: Da machte die Tour de Sol Halt beim Technorama in Winterthur. Ich studierte am Technikum in Winterthur Elektroingenieur und ging in der Mittagspause zum Etappenhalt. Was ich gesehen hatte, hat mich fasziniert. 

Da war der phantastische und wunderschön gearbeitete Mercedes-Benz, konzipiert und ausgerüstet durch die Schweizer Firma Alpha Real und gefertigt von der Mercedes-Lehrlingsabteilung. Die haben das Rennen dann auch gewonnen. Da war auch der damals sehr handgestrickte "Spirit of Biel 1", ein erstes Fahrzeug des Technikums Biel. Ich sah den Assistenten und Fahrer von Herrn Jeanneret, Technikum Biel, der gerade dabei war, seine Solarzellen optimal in die Sonne zu stellen, um möglichst viel Energie aufzunehmen. Aber auch die ganzen Horlacher- und anderen Konstruktionen haben mich fasziniert. Der Wunsch war geboren, auch ein Elektromobil zu bauen. 

Wie kamen Sie zu Ihrem ersten Prototypen? Was war das für ein Gefährt?

1989 begann ich mit den ersten Studien zu elektrisch angetriebenen Fahrrädern, Liegerädern und sonstigen Fahrzeugen. Im Jahr1990 begann ich dann mit meinem ersten „richtigen“ Fahrzeug: Dem Elektromobil Cheetah. Es sollte ein 1+1 - Plätzer werden, 130 km/h schnell, 150 km Reichweite, Ladezeit 3,5 Std. Es war eine Mischung aus Motorrad und Auto, mit einer Kabine. Cheetah konnte geschlossen oder halboffen gefahren werden. Die Zelle war als Monocoque ausgelegt, das Fahrwerk aus Carbonfasern gebaut und alles sehr leicht und stabil. 

 

 

 

 

 

Zwischenstadum "Cheetah"

 

Das fertige Fahrzeug

 

Wie haben Sie das Fahrzeug in der Folge eingesetzt?

Ich habe Cheetah strassenzugelassen und  zuerst bin ich damit Rennen gefahren. Bei der ersten Tour de-Sol, an der ich 1992 mitgefahren bin, lag mein Team anfänglich in Führung. Energieeffizienz, Beschleunigungsverhalten und Wendigkeit waren unschlagbar. Technisch war mein Fahrzeug aber noch lange nicht ausgereift und so bin ich Mitte der Veranstaltung bei einer Tageswertung ausgefallen. In der Folge war ich mehr mit Reparieren als mit Fahren beschäftigt und wurde bis zum zweitletzten Platz durchgereicht. 

Die Tour de-Sol 1993 konnte ich mit dem 4. Schlussrang abschliessen und weitere Rennen in Deutschland (Kassel - Berlin) konnte ich gewinnen. Danach fuhr ich mit Cheetah ca. 15’000 km im täglichen Einsatz. Bis ca. 1996 war Cheetah mein normales Alltagsfahrzeug. Die Wartung wurde mir irgendwann zu zeitaufwändig und seither ist das Fahrzeug eingelagert. Vielleicht wird es zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiviert. 

Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht Ihr Projekt? Was hat es der damaligen Entwicklung der Elektromobilität gebracht?

Mit Cheetah konnte ich sicher Denkanstösse setzen. Design und Konzeption zwischen Motorrad und Auto hatte überzeugt und Cheetah hat auch in Fachkreisen einige Denkanstösse setzen können. Für mich war es das „Gesellenstück“ und ich habe Ideen daraus extrahiert, um später die Seniorenreihe CLASSIC aufzubauen und als Folge das Postfahrzeug DXP. 

             CLASSIC 1994                           CLASSIC DX  1999                       CLASSIC DX  2006                       KYBURZ  DX2 2015

Das Seniorenfahrzeug CLASSIC war in der Schweiz das erste Fahrzeug, das speziell für die Bedürfnisse von Senioren ausgelegt war. Der Nachfolger DXP, den wir in den Jahren 2002 bis 2009 entwickelt haben, war und ist das erste elektrische Zustellfahrzeug in der Neuzeit, dass dem harten Alltagseinsatz gewachsen war. 

                                                                   KYBURZ DXP für Postzustellung im In- und Ausland

Wie beurteilen sie die heute marktgängigen Elektromobile? Genügen sie den Anforderungen?

Unbedingt! E-Fahrräder verschiedener Hersteller haben sich durchgesetzt, der TESLA S ist eine phantastische Oberklasse-Limousine,der Renault ZOE mit bis zu 250 km praktischer Reichweite ist absolut alltagstauglich und das bei einem sehr attraktiven Preis. In der Zustellung werden heute in der Schweiz fast ausschliesslich elektrische Fahrzeuge eingesetzt. 

 

 

 

 

 

 

KYBURZ DXS Jubiläumsedition

 

Was für ein Elektromobil fahren Sie heute? Welches Auto würden Sie gerne fahren, wenn der Preis, etc. keine Rolle spielte?

Im Nahverkehr fahre ich meinen privaten DXS - ein Fahrzeug aus eigener Produktion.

Ich kann auf einen Renault ZOE, ein Firmenfahrzeug, zugreifen und mein Reisefahrzeug ist der TESLA S.

Diesen Sommer werde ich mir voraussichtlich meinen eigenen eRod aufbauen. 

Mit Mobilität bin ich sehr gut versorgt und auch wenn der Preis keine Rolle spielen würde, hätte ich keine anderen Wünsche.

 

 

KYBURZ eRod

 

Wo sehen Sie die Zukunft des Elektromobils? Chancen und Risiken?

Die Elektromobilität setzt sich durch. Darauf hatten wir in den 90er Jahren gehofft, heute hat der Umschwung definitiv begonnen. Das wird grosse Veränderungen mit sich bringen. Der ECS kann sich in diesem verändernden Umfeld gut platzieren. Wenn der Focus gesetzt wird, kann der ECS zu einem starken und tragenden Verein werden, der diese ganzen Veränderungen begleitet, mitbestimmt und dokumentiert. Chancen sind gegeben, wenn der Verein zielgerichtet Themen anpackt.

Die Risiken sind gegeben, dass andere Vereine dieses Elektromobilthema ebenfalls in ihr Leitbild aufnehmen und der ECS überrollt wird. 

 

Was erhoffen Sie sich von der Politik zu diesem Thema?

Klare Richtlinien und auch eine Förderung von nachhaltiger Mobilität.

 

Was wünschen Sie sich vom ECS?

Dass der ECS wegbereitend wird für die elektrische Mobilität und sich politisch engagiert. Der ECS sollte mitarbeiten bei der Normierung von Steckdosen und der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur. Letztlich sollte er seine Mitglieder informieren und die Gleichgesinnten vernetzten.